Vom Stripper zum Picker
So, endlich melde ich mich wieder!
Es hat sich ein bisschen was getan während meiner letzten Nachricht.
Es gibt auf dieser Farm 228 Gewächshäuser mit 4-12 Beeten. Nachdem ich mich am Planting zu versuchen hatte, wurde ich, wie die meisten Neuankömmlinge, während meiner ersten Woche, wie schon gesagt, möglichst vielen Arbeiten zugeteilt, um meine STärken herauszufinden. Dazu gehörte z-B. das “Strippen”. Nein, ich musste mich nicht an einer Eisenstange räkeln, Gott sei Dank. Sobald in einem Haus alle Blumen gepfückt worden sind, muss es “aufgeräumt” werden. Das bedeutet, dass Drahtnetze zusammengerollt, Stöcker tief aus dem Boden gezogen, Wasserpipelines auseinander geschraubt und neben die Häuser gezogen werden müssen, bevor dann ein Traktor mit großem Pflug die Erde wieder für die Planter herrichtet.
Eine andere Tätigkeit, die ich zu Hauf aufgetragen bekommen habe, war das Hochziehen der erwähnten Drahtnetze. Diese werden unmittelbar nach dem Planten über das gesammte Beet ausgerollt und müssen nach bestimmter Zeit, wenn die Planzen mindesten 30 cm aus dem Boden ragen, an den Holzstöckern entlang des Beetrandes hochgezogen und befestigt werden. Eine sehr simple und eintönige, aber vor allem rückenschädigende Arbeit. Ich musste das 2 mal die kompletten 8h und zweimal nur halbtags jeweils 4h machen. Ich dachte, dass ein Bandscheibenvorfall schon beschlossene Sache sei. Man verbringt während dieser Arbeit, 80 Prozent der Zeit gebückt, da man meist nicht in die Hocke gehen kann, weil das die Pflanzen im Beet hinter einem zerstören würde.
Umso spaßiger ist das Sprayen. Entweder man läuft mit einem kleinen Tank auf dem Rücken durch die Beete und sprüht durch einen Schlauch in der rechten Hand, den man mittels Trigger aktivieren kann, zunächst ein Beet und auf dem Rückweg das linke. Oder aber man hat einen Stab in der linken Hand, der durch ein Kabel, das man in der rechten Hand zieht, mit einem großen, sich auf einem Traktor befindenden Tank verbunden ist. Das Sprayen mit Backpack macht richtig Spaß, das mit dem Stab nicht wirklich, aber es ist ok. Beim ersten mal Sprayen mit dem Stab habe ich mir einen ordentlichen Anschiss abgeholt, da ich die Fernbedienung, die man zum einholen des Kabels beim Zurücklaufen immer mit sich tragen muss, so nass habe werden lassen, dass sie kurzzeitig nicht funktioniert hat. Trotzdem war Craig am Ende von 1 1/2 Tagen von meinen Sprayfähigkeiten sehr angetan und meinte, dass ich eventuell in Zukunft so gut wie jeden TAg mit ihm sprayen könnte.Es ist dann aber ganz anders gekommen, zum Glück.
Die nächsten Tage hatte ich weiterhin viele Drahtnetze hochzuziehen, absolut ekelhaft und langweilig, sowie Häuser zu strippen, was an sich ganz ok ist, aber alleine auch keinen Spaß macht. Schon einige Zeit lang hatte ich begonnen, die Picker, also die Pflücker, zu beneiden. Der Job sah nicht sonderlich anstrengend aus, sie arbeiten immer zu viert im selben Haus und können sich somit den ganzen Tag unterhalten und von Zeit zu Zeit, wenn die Blumen mit einem Truck abgeholt werden, sogar noch Musik hören. Außerdem bekommen sie immer die meisten Stunden und nie freie Tage (was für mich innerhalb der ersten 2 Wochen 3 mal der Fall war), da sie schon um 6:30h statt um 8:00h anfangen.
Am Dienstag letzter Woche fragte mich Felix, ein Picker, der sehr nahe zm Chef steht, wie ich meine Augen-Hand-Koordination einschätzen würde. Bereits am nächsten tag wurde ich dann als Picker angelernt. Es stellte sich heraus, dass sämtliche 4 Picker,sowie die beiden “Pick-up-Boys”, also diejenigen, die die frisch gepflückten Blumen imemr mit dem Truck abholen, innerhalb von 2 Wochen die Farm verlassen würden. Da diese Arbeit aber meist einige Tage Einarbeit erfordert, wurde ich also frühzeitig rekrutiert. Besser hätte es nicht für mich laufen können. Ich war in den anderen Arbeiten, die körperlich sehr anstrengend waren, nie der schnellste gewesen und hatte deswegen keine langfristige Garantie für Arbeit gesehen. Wenn man jedoch einmal Picker ist, bleibt man im Regelfall auch Picker und muss nur gelegentlich bei anderen Arbeiten aushelfen, wenn es früh am Tag keine Blumen mehr zu pflücken gibt. Kurz gesagt, der Pickerjob ist der sicherste, rentabelste und mit der einfachste Job auf der Farm. Jackpot gelaufen.
Damit ich aber auch nächstes Mal noch was zu schreiben habe, sage ich jetz noch nich was man genau machen muss. Ist wahrscheinlich eh nicht so spannend.
Die neue Kreditkarte wird morgen ankommen. Zu meinem Geburtstag bekomme ich ein Netbook, dass hier allerdings erst so in 3-4 Wochen ankommen wird, da meine Familie gerade in Barcelona ist. Jedenfalls bedeutet das, dass ich dann mittels USB-Stick jeden Tag ins Internet kann. Dann werde ich auch endlich Bilder hochladen können.
Ansonsten tut sich hier auf der Farm nicht viel. Das Wetter wird nach 2 regenreichen Wochen langsam besser. Samstags wird in der Küche gemeinsam zu unterschiedlichster Musik getrunken, unter der Woche bleibt es für mich bei einstündiger Lektüre.
Ich hoffe, das Leben in Deutschland geht geregelte Wege. Ich wünsch allen Studenten eine gute Anfangszeit!
Bis zum nächsten Mal
Cheers,
Tille